Eigentlich wollte ich ja nur kurz etwas „Über mich“ schreiben, aber dann ist daraus gleich mein erster Blogeintrag geworden 🙂
In der Physik, wahrscheinlich auch in anderen Naturwissenschaften, gibt es meiner Meinung nach ein großes Kommunikationsproblem:
Es gibt einerseits sehr, sehr, sehr viele populärwissenschaftliche Bücher (oder Blogs, oder TV-Sendungen, oder, oder, …) über Physik, sogar über Quantenphysik – und vieles davon ist echt super, wenn man sich einmal so richtig über die Welt wundern möchte. Das sieht dann oft z.B. so aus wie Briane Greene auf Youtube. Also vom Inhalt her, meine ich da.
Dann gibt es zweitens Quacksalber_innen, Esoteriker_innen und Verschwörungstheoretiker_innen, die auch ab und zu Mal Bücher schreiben, aber die man mittlerweile sehr viel häufiger auf Youtube findet, wie z.B. Charlene Werner, die – zwar ganz unterhaltsam ist, aber nichts, also wirklich nichts von Physik versteht – und trotzdem versucht zu erklären, warum Einstein, String Theory und Quantenphysik Homöopathie wirksam machen. Und niemand stellt es in Frage. Wie auch? Auch die besten Erklärungsversuche, Diskussionen oder Bücher, die versuchen, Nicht-Physikern die Physik näher zu bringen, unterscheiden sich von Charlene Werner nur darin, dass das, was die Granden dort sagen, zumindest einmal richtig ist (oder mehr oder weniger richtig, wenn auch total verkürzt ist). Aber wenn das Publikum ausschließlich auf Basis der (ihm vom Hörensagen bekannten) Autorität von Personen, die da sprechen (oder schreiben) ein Urteil über die Plausibilität des Inhalts fällt, dann darf man sich auch nicht über die Leichtgläubigkeit der Massen (Homöopathie, Geistheiler, UFOs, etc.) in anderen Bereichen wundern.
Eine dritte Möglichkeit gibt es aber auch: Physik studieren. Dazu würde (so stell ich es mir vor) in erster Linie gehören, Experimente zu machen und zu wiederholen; und wenn man die Möglichkeit (Zeit/Ressourcen) dazu nicht hat, zumindest ständig daran erinnert zu werden, dass (naturwissenschaftliche) Theorien nicht einfach nur Ideen sind, die sich jemand allein im Keller überlegt hat – genau das, was viele Menschen glauben, wenn sie von “Genies” hören. Einstein hätte noch so viel denken können, ohne die vielen Vorarbeiten und Experimente, hätte er sich Quantenphysik und Relativitätstheorie in seinen wildesten Träumen nicht ausmalen können.
OK, man mag sich also zumindest auf Experimente besinnen, wenn man sie schon nicht selbst durchführt (und mir bleibt wohl in diesem Blog selbst nichts anderes übrig), aber es gibt auch so etwas wie “abstrakte Ideen”, Theorien und Erklärungsmodelle für diese Experimente. Und hier fängt es an, wirklich schwer zu werden. Selbst interessierte Laien können sich nicht einfach ein Physik-Studienbuch hernehmen und anfangen, es durchzulesen (durchzuarbeiten). Sehr schnell wird einem klar, dass man dann gleich auch noch mit einem Mathematik-Buch anfangen sollte (oder zehn).
Das, was man “zumindest” wissen muss, um zu verstehen, was in der Physik da eigentlich abgeht, muss man sich als Laie in der Regel selbst zusammensuchen, immer mit der Gefahr auf eine popularisierte Variante zu stoßen, die einem einfach nicht mehr weiterhilft. Oder: man findet mehr, als nötig wäre, um die “Basics” zu verstehen. Komplizierte Formeln in einer eigenen Sprache, die ein Laie nicht einmal “laut lesen” kann, weil er die Symbole nicht kennt; oder: trockenen Formalismus, der zwar erklärt (wenn man’s denn versteht), warum die Quanten so tun wie sie tun, aber dem das laienhafte Wundern an der Welt fehlt: Eben für Student_innen geschrieben, die lieber üben und lernen (das ist auch gut so!) anstatt sich zu wundern und “Unwichtiges” einfach wegzulassen.
Ganz so schlimm ist es natürlich nicht: Es gibt wunderbare Ausnahmen, wie z.B. The Theoretical Minimum, eine Vorlesungsreihe (mittlerweile auch ein Buch) von Leonard Susskind von der Stanford University, der mathematisch schon mehr in die Tiefe geht, ohne wirklich unverständlich zu werden (es braucht lange, und man sollte schon ein bisschen Mathematik mitnehmen, um anzufangen).
Noch weiter an den Basics ist David Z. Alberts Quantum Mechanics and Experience, das den mathematischen Formalismus der Quantenmechanik sogar Sozialwissenschaftler_innen und Philosoph_innen verständlich macht und es dennoch schafft, das Wundern über die Welt zum zentralen Bestandteil seines Buchs zu machen (David Z. Albert ist selbst Philosoph). Und: Ich bin mir sicher, dass es noch viel, viel mehr Ressourcen gibt, die ich gar nicht kenne.
Und genau das ist eigentlich, was ich hier auch zur Verfügung stellen möchte. Auch wenn es viel von dem, was ich gerne Schreiben möchte, schon gibt. Aber am Ende ist es auch für mich selbst eine wundervolle Möglichkeit, das, was ich mir bis jetzt immer hobbymäßig über Physik zusammengetragen habe, zu teilen.
Eine grundsätzliche Einstellung von mir ist: Wer etwas nicht erklären kann, der hat es auch selbst nicht verstanden – und grundsätzlich ist niemand zu “dumm” dafür, Quantenphysik zu verstehen; zumindest dann nicht, wenn man dazu bereit ist, zumindest ein kleines bisschen von dem, was man gewöhnlich unter “Verstehen” versteht, über Bord zu werfen (und auch mal etwas Neues lernen will). Kurz: Ein_e schlechte_r Schüler_in hat keine_n gute_n Lehrer_in.
Ich hoffe jedenfalls, dass ich durch dieses Projekt selbst sehr viel dazulernen werde! Und wenn Mathematik nötig ist, dann ist sie eben nötig.
PS. Die Unterstriche sind übrigens beabsichtigt, falls das jemand aus Unzufriedenheit kommentieren will, beneide ich deren Sorgen.